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Barrierefreie Website: Was gilt und was KMU jetzt tun sollten
Kaum ein Web-Thema wird so oft mit Angst verkauft wie Barrierefreiheit („Abmahnwelle! Handeln Sie JETZT!"). Wir versuchen es nüchtern: was der Begriff bedeutet, wie die Rechtslage aussieht, und warum sich die Massnahmen ohnehin lohnen.
Was „barrierefrei" konkret heisst
Eine barrierefreie Website können auch Menschen mit Einschränkungen nutzen: Wer schlecht sieht, braucht ausreichende Kontraste und vergrösserbare Schrift. Wer nicht sieht, lässt sich die Seite vorlesen, das funktioniert nur bei sauberem Seitenaufbau mit Textbeschreibungen für Bilder. Wer keine Maus bedienen kann, navigiert per Tastatur. Wer schlecht hört, braucht Untertitel bei Videos. Der anerkannte Massstab dafür heisst WCAG (ein internationaler Kriterienkatalog, Stufe AA gilt als Standard).
Die Rechtslage, ohne Dramatisierung
Schweiz: Verpflichtet sind vor allem Bund, Kantone und öffentliche Stellen. Für private Unternehmen gibt es keine allgemeine Website-Pflicht, aber das Diskriminierungsverbot des Behindertengleichstellungsgesetzes, und die Erwartungen steigen: Wer öffentliche Aufträge will, wird zunehmend nach Barrierefreiheit gefragt.
EU (relevant, wenn Sie dorthin verkaufen): Seit Mitte 2025 verlangt der European Accessibility Act Barrierefreiheit für viele Websites mit Verkaufs- und Dienstleistungsfunktion. Wer EU-Kunden bedient, sollte das ernst nehmen.
Kurz: Für die meisten Schweizer KMU besteht keine akute Pflicht, aber eine klare Richtung. Wer neu baut, baut vernünftigerweise gleich richtig.
Warum es sich unabhängig vom Recht lohnt
Die Massnahmen helfen allen Besuchern: Gute Kontraste nützen jedem, der im Sonnenlicht aufs Handy schaut. Klare Struktur hilft jedem Eiligen. Textbeschreibungen und sauberer Aufbau helfen, Google: Suchmaschinen „lesen" Seiten ähnlich wie Vorlese-Programme; barrierefreie Seiten sind fast automatisch besser auffindbar (die Verbindung zur Auffindbarkeit erklärt dieser Artikel). Und rund ein Fünftel der Bevölkerung lebt mit einer Beeinträchtigung, das sind Kunden.
Die wichtigsten Massnahmen (das lohnende Minimum)
Ausreichende Farbkontraste zwischen Text und Hintergrund · vollständige Bedienbarkeit per Tastatur · Textbeschreibungen für alle inhaltlich wichtigen Bilder · eine saubere Überschriften-Ordnung (die auch Vorleseprogramme verstehen) · Formulare mit klaren Beschriftungen und verständlichen Fehlermeldungen · Zoombarkeit bis 200 % ohne Darstellungsbruch · Verzicht auf Information, die nur über Farbe transportiert wird.
Nachrüsten oder neu bauen?
Ehrlich: Bei bestehenden Websites hängt der Aufwand stark vom Fundament ab, manches lässt sich nachrüsten, bei Baukasten-Seiten setzt der Anbieter die Grenzen. Bei einem Neubau kostet Barrierefreiheit fast nichts extra, wenn sie von Anfang an mitgebaut wird. Genau so halten wir es: Bei jeder murmy-Website ist sie serienmässig dabei, auch bei dieser hier. Ob Nachrüsten oder Neubau bei Ihnen klüger ist, klärt der Preisrechner und die ehrliche Einschätzung danach.
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